Wenn aus Ehemaligen
Lehrende werden.

Begeistert bin ich... wenn ehemalige SchülerInnen ihr Wissen weitergeben wollen und an die Schule zurückkehren. In der Kategorie „Was aus ihnen geworden ist“ haben Kollegin Annalena Glashauser und Kollege Norbert Sammer 9 Fragen bereitwillig beantwortet. Erfreulich, wie gern sich beide an ihre Ausbildungszeit erinnern!

Annalena Glashauser

Nach dem Abitur im Jahr 2012 habe ich mit dem Studium der Medienwissenschaft und Deutschen Philologie an der Universität Regensburg begonnen. Ich konnte mir zu dieser Zeit gut vorstellen, im Verlagswesen tätig zu werden.
Dass dies nicht mein Weg sein wird, habe ich erst während des Studiums bemerkt. Ich habe das Bachelorstudium im Jahr 2015 abgeschlossen und direkt mit der Ausbildung an der VPT-Berufsfachschule begonnen. Hier war ich dann bis 2018.

Nach dem Staatsexamen habe meine erste Stelle als Physiotherapeutin im Amedos in Deggendorf angetreten. Nach einem Jahr habe ich in eine heimatnähere Praxis nach Aidenbach gewechselt, in welcher ich bis 2024 tätig war. Anschließend ging’s auch schon an der VPT-Berufsfachschule weiter.
Seit 2022 bin ich nebenbei als Präventionstrainerin tätig: Pilates- und Beckenbodenkurse, Rückenschule sowie prä- und postnatales Personal Training sind die Hauptbestandteile meiner Trainertätigkeit.

Im Interview:

Ich nehme eine Veränderung der Therapeuten- und Patientenrolle wahr. Wo vor einigen Jahren noch ein stärkerer Fokus auf technik- und konzeptbasierten Therapiemaßnahmen erkennbar war, rückt jetzt das aktive Selbstmanagement des Patienten in den Vordergrund. Als Therapeutin sehe ich mich immer weniger als die Therapieausführende und immer mehr als die den Patienten in seiner eigenen Therapie Begleitende.

Erstmal würde ich mich als wohlwollend bezeichnen. Ich kann beinahe allen Situationen etwas Gutes abgewinnen und denke, dass man mit einer positiven Gesinnung seinem Umfeld gegenüber sehr oft richtig liegt. Außerdem würde ich mich als ambitioniert bezeichnen, unter anderem im beruflichen Kontext. Als letztes Wort trifft es „neugierig“ ganz gut: Ich bin interessiert in vielen Themen und kann mich für Neues schnell begeistern.

Die Schule ist mit der Zeit gegangen, dadurch ist das Lernen digitaler geworden – was ich sehr schätze. Außerdem sind einige Vorgänge strukturierter als zuvor. Trotzdem ist die familiäre Atmosphäre, die mir schon zu meiner Zeit als Schülerin sehr gut gefallen hat, erhalten geblieben.

Ich wollte damals gerne Stärke zeigen, eine Vorzeigeschülerin sein und immer glänzen. Heute weiß ich, dass man nur weiterkommt, wenn man seine Schwächen erkennt, diese zum richtigen Zeitpunkt zeigt und sich von „Besseren“ umgibt, um von deren Wissen und Können zu profitieren.

Das Ende. Der Moment, als wir nur kurze Zeit nach der letzten Examensprüfung von Lehrkräften, Familien und Freunden mit Musik in feierlicher Atmosphäre im Atrium empfangen wurden war so besonders, dass ich ihn mir gerne in Erinnerung rufe.

Wahrscheinlich würde Staatskunde niemandem fehlen. Ich würde es durch ein praktisches „Starterkit Physiotherapie“ ersetzen: Wie liest man eine Verordnung? Welche Herausforderungen bringt der Fortbildungsdschungel? Wie entscheide ich mich, welche Fortbildung ich mache? Welche Möglichkeiten gibt es als Nebenverdienst? Welcher Verdienst und wie viele Urlaubstage sind normal? Soll ich mich für eine bezahlte Fortbildung beim Arbeitgeber verpflichten? Die Antworten auf diese und noch mehr Fragen musste ich mir selbst erkämpfen, sie hätten mir den Start ins Berufsleben erleichtert.

Ein großes Anliegen ist mir, dass ich als fachkompetent wahrgenommen werde.

Sprache und Ausdruck vermitteln DAS Bild von uns als Therapeuten.

Angekommen, zufrieden und sicher – beruflich wie privat.

Mein Werdegang im Überblick:
Mein Werdegang im Überblick:

Norbert Sammer

Meine Ausbildung zum Physio habe 2007 in Bad Birnbach abgeschlossen. Im Anschluss durfte ich dann meine berufliche Laufbahn bei meinem jetzigen Freund und Mentor Andi Richter in der Praxis A&M Richter in Pocking beginnen. Während dieser Zeit absolvierte ich die Ausbildung zum Sportphysiotherapeuten des DOSB sowie die Weiterbildung in Manueller Therapie. Zudem konnte ich erste Erfahrungen in der Behandlung von Spitzensportlern sammeln, in dem nebenberuflich die deutsche Badmintonnationalmannschaft als Physio betreute.

2014 hab mich entschieden, einen neuen, beruflichen Weg einzuschlagen und wechselte an die Physioklinik im Aitrachtal. Dort war ich über mehrere Jahre als Teamleiter der Physiotherapie tätig und absolvierte währenddessen auch das fünfjährige Osteopathiestudium. Parallel dazu habe ich mit der Ausbildung zum Fachlehrer für Manuelle Therapie begonnen, die ich dann 2023 (endlich) abschließen konnte.

Seit Oktober 2021 bin ich jetzt als Fachlehrer für die VPT Berufsfachschule tätig und gebe gern mein Wissen in Manueller Therapie, Osteopathie sowie Sportphysiotherapie an die Schüler weiter. Nebenbei arbeite ich als Osteopath und Manualtherapeut in meiner eigenen Praxis und bin immer häufiger als Fachlehrer für Manuelle Therapie an verschiedenen Standorten Deutschlands unterwegs. Als persönliches Highlight empfand ich in diesem Jahr, die deutschen Athleten bei der Jugendolympiade als leitender Physiotherapeut betreuen zu dürfen.

Im Interview:

Als ich 2004 die Ausbildung zum Physiotherapeuten begonnen habe, lag der Fokus meiner Tätigkeiten auf der Rehabilitation von Patienten. Jetzt wird mehr Wert auf den präventiven Sektor gelegt, körperliche oder seelische Beschwerden soll vorgebeugt werden. Das hat wohl viel mit dem veränderten Lebensstil zu tun, den jungen Leute heutzutage einschlagen.
Da es immer schwierig ist, sich selbst zu beurteilen, habe ich Schüler gefragt. Mit ihren Antworten bin ich zufrieden: kompetent – lustig – motivierend
Die Schule ist natürlich durch den Einsatz unserer neuen, digitalen Ausstattung viel moderner geworden, zeitgleich ist die angenehme Atmosphäre in der Schule über die Jahre erhalten geblieben. Viele meiner früheren Lehrer unterrichten noch immer an der Schule und zählen jetzt zu meinen Kollegen.
Ich wusste damals schon genau, in welchem Fachbereich (Orthopädie, Sportphysiotherapie) ich später mal arbeiten will, so dass ich dadurch manch anderen Fachgebieten und Lehrern zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt habe. Heute weiß ich, dass man während der Ausbildung aus allen Fachbereichen wichtige Inhalte mitnehmen kann und daher der Fokus nicht zu früh festgelegt werden sollte.
Ein absolutes Highlight war natürlich unsere lustige Klassenfahrt, die mir immer im Gedächtnis bleiben wird und die ich jetzt – 20 Jahre später- in der gleichen Konstellation jederzeit wieder machen würde. Aber ich habe viele, wunderbare Erinnerungen an die Schulzeit und innerhalb meiner Klasse Freunde gefunden, die auch heute noch zu meinem engsten Freundeskreis zählen.
Liebend gerne würde ich unseren Schülern gern nähere Einblicke in die Lebensstilmedizin und in die Osteopathie geben. Um mich bei meinen Kollegen nicht unbeliebt zu machen, werde ich es für mich behalten, welche Fächer ich kürzen oder sogar opfern würde…
Meine Schüler möchte ich auf dieselbe Art und Weise für unseren Beruf begeistern können, wie ich selbst von einigen Lehrern und Dozenten begeistert werden konnte. Dabei ist es mir wichtig, auf Augenhöhe mit den Schülern zu arbeiten und eine lockere und entspannte Unterrichtsatmosphäre zu schaffen.
„Man muss die Anatomie des menschlichen Körpers 7 mal lernen, um 30% davon zu behalten.“ In dem Zusammenhang sagte mein damaliger Lehrer und nun Kollege, Manni Bloch, folgendes: „Repetitio est mater studiorum“- Die Wiederholung ist die Mutter der Weisheit. Er wollte uns anspornen, für unserem Beruf die Anatomie immer und immer wieder vor Augen zu führen. Diesen Ratschlag nehme ich mir zu Herzen und vertiefe mich sehr gern in Anatomiebücher, um mein Wissen zu erweitern.
Wenn ich in zehn Jahren vor einem See stehe, dann sollte dieser sich anfühlen wie der Atlantik von Bordeaux und das Zwitschern der Vögel darüber sollten klingen, wie die Vögel über Rom. Dann hab ich bis dahin vieles richtig gemacht…